Wir über uns

„Alles Erste bleibt ewig im Kinde;
Die erste Farbe, die erste Musik, die erste Blume –
Malen den Untergrund des Lebens.“

                                                               (Jean Paul)

 Das Zitat von Jean Paul, einem deutschen Schriftsteller, spricht aus, was heute in immer weiteren Kreisen bekannt und vielfach wissenschaftlich erforscht worden ist: die Erfahrungen der ersten Lebensjahre wirken prägend auf das ganze weitere Leben eines Menschen. In dieser Zeit entsteht das Bild, das ein Mensch von sich selbst hat, das Selbstbewusstsein; es wird die Wahrnehmung auf die Umgebung geprägt, werden Verhaltensmuster angelegt, auf die der Mensch auch viel, viel später spontan zurückgreifen wird; es wird angelegt, wie ein Mensch das, was er als Individualität in dieses Leben mitgebracht hat, zur Entfaltung bringen kann – kurz: eine Persönlichkeit wird geprägt.

Was ist es aber nun, das Kindern in dieser Welt voller neuer Herausforderungen helfen kann, gesund aufzuwachsen, zu reifen, das Leben fröhlich und aktiv anzugehen, um später zu einer Persönlichkeit zu werden, die mit beiden Beinen auf dem Boden steht, die fähig ist, mit immer neuen Herausforderungen umzugehen, die mit Freude und Begeisterung ins Leben schaut?  

Es gibt viele interessante Antworten von namhaften Pädagogen, Therapeuten, Kinderärzten, Psychologen, Bindungs- und Hirnforschern, wie z.B. Emmi Pikler, Jesper Juul, Rudolf Steiner, Christiane Kutik, Gerald Hüther, Manfred Spitzer. Hier nur ein paar Stichworte:

  • Liebe und Geborgenheit erfahren
  • authentische und zuverlässige Eltern, die die Bildung von Urvertrauen  ermöglichen
  • wachsen an eigenen Erfahrungen, Erfolgen und Misserfolgen
  • eine echte Aufmerksamkeit, eine, die wärmt
  • wiederkehrende Rituale im Alltag …

Das Familienleben wirft vielfältige Themen und Fragen auf. Mit Eltern in verschiedenen Angeboten über diese ins Gespräch zu kommen und ihnen zu helfen, im Gewirr der Ratgeber aus Familienangehörigen, Internet und Büchern ihren eigenen Weg zu finden, ist ein wichtiges Anliegen des Vereins.

Das Wissen über kindgemäße Entwicklung spielt dabei eine besondere Rolle. Jedes Neugeborene bringt eine einzigartige Individualität ins Leben, die auf seine ganz eigene Art verschiedene Entwicklungsstufen durchlaufen wird und nach der Verwirklichung einer persönlichen Biografie strebt. Dass diese Entwicklung an verschiedenen Stellen geheimnisvoll und keineswegs geradlinig verläuft, kann die Analogie zur Entwicklung eines Schmetterlings zeigen:

Ein Falter wird nicht dadurch flugtüchtig, dass man seine Raupe in die Luft wirft. Es beschleunigt seine Entwicklung auch nicht, wenn man ihn vorsichtig aus seinem Kokon schält.

Auch der Mensch durchläuft Stadien, die in ihrer Eigenart gehütet und gepflegt werden müssen, um die im Verborgenen sich vollziehende Entfaltung zu ermöglichen. Mit Menschen über diese Entwicklungsphasen zu sprechen, ist uns sehr wichtig, besonders in einer Zeit, in der gesellschaftliche Tendenzen wie Verfrühung, Beschleunigung und ein oft einseitiger Blick auf die Förderung intellektueller Fähigkeiten dominant sind.

In einem Kind spielen physische, seelische und geistige Kräfte zusammen. Diese Sichtweise ist für unseren Blick auf das Kind bzw. auf den Menschen von Bedeutung. Erst wenn wir die verschiedenen Gesichtspunkte in unser Wahrnehmen des Kindes mit aufnehmen, können wir dem Kind gerecht werden. Gleichzeitig ist es eine wesentliche Aufgabe von Erziehung, dem Kind Erfahrungsräume mit diesen verschiedenen Kräften zu geben, denn jede Einseitigkeit behindert die gesunde Entwicklung einer Persönlichkeit. Es braucht viel echte Aufmerksamkeit, Einfühlungsvermögen und Liebe, um ein Kind so zu begleiten, dass es sich möglichst gut entfalten kann. Eltern stehen dabei immer wieder vor neuen Fragen und Schwierigkeiten. Elternsein ist eine echte Herausforderung!

Eltern in ihren Aufgaben zu begleiten, zu unterstützen, mit ihnen gemeinsam nach einem Weg in manchmal ausweglos erscheinenden Situationen zu suchen, sieht der Verein als seine Aufgabe. Neben verschiedenen Angeboten individueller Begleitung, gehört es auch zu den Arbeitsfeldern des Vereins, Raum für Austausch und Begegnung unter Eltern zu schaffen. Oft reicht ein einfaches Gespräch in entspannter Atmosphäre,  um neues Vertrauen in die eigenen erzieherischen Fähigkeiten zu finden und damit Eltern zu stärken.

"Kinder sind keine Gefäße, die gefüllt,
sondern Feuer, die entzündet werden wollen.“
                                             (François Rabelais)